Praxis

Unsere Veranstaltungen finden überall statt, wo Menschen daran mitwirken möchten, die Idee in der Praxis umzusetzen. Wer teilnimmt, vertritt eigene Interessen und Überzeugungen und ist offen für die Interessen und Argumente anderer. Die Frage, wer man sein kann, ist hier die Frage nach einer Rolle, in der man sich gesprächsbereit an der Auseinandersetzung mit den Themen, Herausforderungen und Problemen unserer Zeit beteiligt.

Wir konzentrieren uns gegenwärtig auf drei Themenfelder: Leben im digitalen Zeitalter, Planet und Natur sowie Heimat und Globalisierung. Die denkwerkstatt grenzenlos macht dabei Vorschläge, wie sich diese Themenfelder strukturieren lassen: Wir gliedern jedes Themenfeld in vier Themenfeldbereiche, die wiederum verschiedene Schwerpunkte haben. Auf einer jeden Veranstaltung wird ein Schwerpunkt behandelt, den wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort festlegen.

Welche Themenfeldbereiche wir kennen? Die folgenden Erläuterungen geben Auskunft.

Leben im digitalen Zeitalter

Digitale Welt, digitale Räume – das Internet und das neue Wo des Menschen

Das neue Wo des Menschen – die digitale Welt – ist ein Ort, an dem wir neue Erfahrungen machen, gemeinsam lernen, Ideen entwickeln und dem Leben neue Horizonte erschließen. Und doch dürfen wir die heute kaum noch übersehbaren Schattenseiten der digitalen Welt nicht ignorieren. Wir erleben eine um sich greifende Verrohung der Sprache, die sich in Hass, Hetze oder in Aufrufen zur Gewalt täglich zeigt. Im digitalen Zeitalter ist mit dem Internet ein öffentlicher Raum entstanden, den wir technisch, keinesfalls aber moralisch und rechtlich beherrschen. Wie also gehen wir verantwortlich mit unserer Freiheit in digitalen Räumen um?

Chancen am Beginn des digitalen Zeitalters: – eine Erkundung

Digitalisierung, digitale Transformation und digitale Revolution sind Schlagworte unserer Zeit. Wir verbinden faszinierende Möglichkeiten mit ihnen, das Leben zu gestalten und zu verbessern. Die entsprechende Technologie ist in einem fundamentalen Sinne revolutionär. Wer die digitale Revolution für einen menschheitsgeschichtlichen Einschnitt und für den Beginn einer neuen Entwicklung hält, schwingt sich kaum zu einem Propheten auf. Die Chancen, die uns mit der digitalen Transformation gegeben sind, setzen sich allerdings nicht von selbst um und liegen auch nicht immer auf der Hand. Wir müssen deshalb darüber nachdenken, was die Rede von Chancen bedeuten soll und wo genau sie liegen.     

Das digitale Zeitalter im Anthropozän – Möglichkeiten und Grenzen

Der technologische Fortschritt, der starke Anstieg der Weltbevölkerung und die Entwicklung moderner Gesellschaften, die immer mehr Energie verbrauchen, haben den Menschen zu einem neuen Einflussfaktor auf dem Planeten Erde gemacht. In diesem Zusammenhang spricht man von einem Anthropozän – einem neuen erdgeschichtlichen Zeitalter, das vom Menschen dominiert wird. Waren biologische, geologische und atmosphärische Prozesse von den Auswirkungen der menschlichen Zivilisation bisher nicht betroffen, so sind solche Prozesse nunmehr davon abhängig, was der Mensch macht und nicht macht. Wir sollten deshalb fragen, wie sich die digitale Transformation in den Kontext des Anthropozäns stellen lässt und in welchem Maße sich der Mensch als Teil der Natur selbst verändert, wenn das Anthropozän digital vermittelt auf uns selbst zurückschlägt.

Wissenschaft, Forschung, Technologie – in der Herzkammer der digitalen Transformation

Die Digitalisierung fällt nicht vom Himmel, sondern ist das Ergebnis von Pioniergeist, wissenschaftlicher Forschung und technologischen Entwicklungen. Sie ist eine Erfindung des Menschen. Wir sollten deshalb ein Interesse daran haben, die wissenschaftlich-technologische Herzkammer des digitalen Zeitalters möglichst gut zu verstehen. In solchem Interesse dokumentiert sich eine Lust an der Faszination nicht weniger als das Bedürfnis, den technologischen Fortschritt nicht sich selbst zu überlassen. Menschen sind Menschen, weil sie gestalten und darüber entscheiden, was Leben im digitalen Zeitalter sein und nicht sein soll.

Planet und Natur

Vom Anfang her denken – die Erde in der Perspektive des Universums und seiner Entstehung

Während Religionen Schöpfungsgeschichten kennen, geht die zeitgenössische Kosmologie davon aus, dass unser Universum vor etwa 13,8 Milliarden Jahren entstanden ist. In dieser Perspektive hat das Universum auch eine naturwissenschaftlich zu erzählende Geschichte. Weil wir in Zeiten rasanten wissenschaftlichen Fortschritts immer mehr über diese Geschichte erfahren, stehen uns Erkenntnisse zur Verfügung, mit denen sich nicht nur unser Verständnis von Raum, Zeit und Materie grundlegend verändert hat. Warum also nehmen wir nicht eine Perspektive auf den Planeten Erde ein, in der wir uns vom Standpunkt der Kosmologie selbst besser zu verstehen suchen?

Ein anderer Anfang – die Entstehung von Leben und die Folgen

Die Geschichte des Universums mag faszinieren – und doch ist sie für viele Menschen sehr viel weniger attraktiv als eine religiöse Schöpfungsgeschichte, mit der man dem eigenen Leben einen besonderen Sinn zusprechen kann. Auch wenn wir noch so viel wissen – eine Geschichte, die nicht sinnstiftend für das individuelle Leben ist, kann für viele keine Geschichte sein, die man sich im Einzelnen vergegenwärtigen und verstehen müsste. Das gilt auch dann noch, wenn wir uns einem anderen Anfang zuwenden – dem mutmaßlichen Anfang von Leben auf der Erde vor etwa 3,6 Milliarden Jahren. Menschen wie alles andere Leben auf der Erde auch stammen in dieser Perspektive von einer Urzelle mit Namen LUCA ab (Last Universal Common Ancestor), dem letzten gemeinsamen Vorfahren. Seither hat die Evolution die unterschiedlichsten Wege eingeschlagen. Was spricht dagegen, sich diese Zusammenhänge unvoreingenommen und mit der Bereitschaft zum Staunen zu vergegenwärtigen?

Natur im Wandel – der Mensch und die Vielfalt von Naturverständnissen

Das Bekannte steht oft in Gefahr, das Unbekannte zu sein. Auf bestimmte Weise gilt das auch für die Natur, von der wir jedoch mindestens meinen, dass sie etwas ist, das nicht vom Menschen gemacht ist – denn das wäre ja Kultur. Über dieses Naturverständnis des gesunden Menschenverstandes können wir allerdings hinausgehen. Denn der Mensch hat verschiedene Formen von Naturverständnis hervorgebracht, denen unterschiedliche Vorstellungssysteme und praktische Naturverhältnisse zugrunde liegen. Sprechen wir deshalb über Natur nicht nur von einem naturwissenschaftlichen, sondern auch von einem ästhetischen, mythischen, religiösen und ethischen Standpunkt!

Mensch und Umwelt – der Klimawandel und die Frage nach der Zukunft des Planeten Erde

In der Geschichte des Planeten Erde hat es immer wieder einschneidende Temperatur- und Klimaveränderungen gegeben. Der gegenwärtige Klimawandel ist also, erdgeschichtlich gesehen, kein neues Phänomen. Neu ist allerdings, dass der Mensch für einen Klimawandel verantwortlich ist. Innerhalb von kaum zwei Jahrhunderten ist die Nutzung fossiler Energieträger auf ein Niveau gestiegen, auf dem Folgen für das Klima mess- und wahrnehmbar sind. Temperaturen steigen, Eismassen an den Polen und Gletscher auf den Bergen schmelzen, die Meere erwärmen sich, Hurrikans werden häufiger und stärker, Landstriche verwüsten, das Artensterben nimmt zu und auch der Mensch ist auf bisher unbekannte Weise in seiner Existenz bedroht. Gründe, über den Klimawandel zu sprechen, haben wir also genug.

Heimat und Globalisierung

Bedeutungs- und Bilderwelten – Heimatsuche in Geschichte und Gegenwart

Heimat steht für das Bedürfnis nach Vertrautheit und kultureller Identität. Sie erzählt davon, dass Menschen ihre Lebenswirklichkeit in bestimmten Regionen finden, denen sie sich verbunden fühlen. Für die einen ist Heimatbedürfnis die Gefühlswelt der Provinz oder gar der Boden für nationalistische Ideologie, für die anderen nur die harmlose Lust darauf, irgendwo zuhause zu sein – ein Ausdruck von Lebensgefühl und kultureller Identität, mit der man sich das Zufrieden- und Glücklichsein an einem Ort erlaubt. Wieder andere meinen, dass sich Heimat und Weltoffenheit nicht ausschließen. Nicht weniger möglich ist darüber hinaus die ebenso distanzierte wie kritische Auseinandersetzung mit Bedeutungs- und Bilderwelten, wie sie uns in Geschichte und Gegenwart begegnen.

Der Raum der Kultur

Die Räume, in denen wir leben, sind ganz unterschiedlicher Natur. Nehmen wir nur die Erde, auf der wir leben, und erinnern uns daran, dass sie ein Planet unseres Sonnensystems ist, in dem wir in bestimmter Hinsicht ebenfalls leben. Das Sonnensystem wiederum ist Teil einer Galaxie namens Milchstraße, in der Milliarden von Sonnen existieren. In dieser Hinsicht leben wir Menschen in der Milchstraße. Diese Galaxie ist allerdings nur eine von Milliarden anderer Galaxien im Weltraum. Sollten wir in kosmologischer Perspektive deshalb nicht sagen dürfen, in diesem Universum zu leben? Allerdings dehnen wir die Sphäre, in der wir leben, sprachlich aus guten Gründen nur selten in solche kosmischen Dimensionen aus. Vertrauter sind uns kleinere Maßstäbe: Wir leben auf einem der Kontinente in einem Land, in dem wir in Städten, Dörfern oder gänzlich abgeschieden leben. Menschen leben aber auch in der Natur, wenngleich wir Unterschiedliches darunter verstehen. Und dasselbe gilt für die Kultur. Denn nicht zuletzt Kultur kann ein Raum sein, in dem wir leben – in diesem oder jenem Sinne. Was, so bleibt zu fragen, meinen wir also, wenn wir davon sprechen, in einer Kultur zu leben?

Stadt – Land – Welt

Eine Stadt ist kein Dorf und doch nicht der Ort, an dem nur Globalisierung sich spiegelt – wie das Dorf nicht nur ein Ort ist, in dem Heimat gelebt wird. Die Stadt ist ein Raum, der in sich heterogen ist und viele Möglichkeiten eröffnet, Geschichte, Gegenwart und Zukunft zusammenzudenken. Dabei muss es nicht immer städtisch im konventionellen Sinne des Wortes zugehen. Stadtentwicklung hat viel damit zu tun, neue Rhythmen des Lebens zu denken und Orte zu schaffen, an denen das Unerwartete alltagsfähig wird. Bei allem stellt sich immer auch die Frage, wie sich Menschen in der Stadt heimisch fühlen können. Und was es heißt, auf dem Land zu leben, ohne das Klischee zu leben, ist eine andere Frage, der wir uns in Zeiten wachsender Mobilität stellen müssen.

Chancen und Herausforderungen der Globalisierung

Die Globalisierung wurde nicht irgendwann beschlossen und umgesetzt. Sie ist kein Menschheitsprojekt, das von einer kleinen Gruppe ersonnen wurde. Globalisierung ist vielmehr eine Folge bestimmter gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und technologischer Entwicklungen. In politischer Hinsicht bestand lange Zeit die Hoffnung, dass mit der Globalisierung eine Verbreitung demokratischer Regierungsformen einhergeht und dass Freiheit keine nur ökonomische, sondern auch eine politische Kategorie ist, die Grund- und Menschenrechte zusichert. Wohlstand und Freiheit stehen auch heute noch im Zentrum von Erzählungen, die Gründe für das Festhalten an einer unter Beschuss geratenen Globalisierung liefern sollen. Die negativen Effekte der Globalisierung sind allerdings so spürbar geworden, dass die Globalisierungseuphorie deutlich gedämpft ist. Es ist – wieder einmal oder immer noch – nötig, über die Chancen und Herausforderungen der Globalisierung zu sprechen.

Was bleibt

Andere Perspektiven

Wie wir die Dinge sehen, hängt davon ab, was wir erleben und in welchen Situationen wir uns befinden. Bestimmte Erfahrungen lassen uns die Welt mit anderen Augen sehen. Auch Denkerfahrungen sind Erfahrungen, die uns verändern und den wiederkehrenden Alltag anders leben lassen. Was bleibt, sind Perspektiven, die nicht zuletzt einen praktischen Wert haben – für einen jeden einzelnen, für eine jede einzelne von uns.

Lokale Projekte

In den Regionen stoßen die Veranstaltungen idealerweise Prozesse an, durch die Menschen vor Ort miteinander im Gespräch bleiben und die Auseinandersetzung mit den Themen, Herausforderungen und Problemen unserer Zeit gemeinsam weiterführen. Wenn die Veranstaltungen der denkwerkstatt grenzenlos lokale Projekte initiieren, ist sehr viel erreicht. Natürlich gilt das auch für den Fall, dass unsere Veranstaltungen in bereits bestehende lokale Projekte hineinwirken und für neue Impulse sorgen.

Dokumentation und Forschung

Veranstaltungen der denkwerkstatt grenzenlos gründen in Forschung und Wissenschaft – und sind ihrerseits der Gegenstand von Dokumentation und Forschung. Wir selbst nehmen Erfahrungen mit und lassen sie in die eigene Arbeit einfließen. Was wir vor Ort erleben, verpufft nicht, weil wir die Veranstaltungen als eine ausgezeichnete Möglichkeit begreifen, von anderen zu lernen. In diesem Zusammenhang arbeiten wir mit exzellenten Partnern aus Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen.