Erzählung

Über uns Menschen lassen sich schöne Geschichten erzählen. Wo wir einander nicht lieben, leben wir friedlich zusammen. Wir suchen das Glück auf unterschiedlichen Pfaden. Wir haben Ideen und oft auch den Mut, sie umzusetzen. 

Andere Geschichten zeigen, dass die Welt, in der wir leben, eine Welt voller Herausforderungen und Probleme ist. Klimawandel, Umweltverschmutzung, Epidemien, Arbeitslosigkeit, Terrorismus, Ressourcenknappheit, Kriege, Rassismus und Nationalismus gehören zu den Themen, die uns täglich beschäftigen.

Man kann sich dieser Themen annehmen und daran mitwirken, Zukunft zu gestalten. Und man kann die Welt als Themenwelt denken und darin eine Grundlage für solche Gestaltung sehen.

Themenwelt

Denken wir die Welt als Themenwelt, dann denken wir die Welt von einem praktischen Standpunkt. In einer Themenwelt findet die Welt nicht ihre Erklärung, sondern eine allgemeine Übersetzung in das, was wir gemeinsam erörtern und bewältigen müssen. Die Themenfelder der Themenwelt geben erste Orientierung und lassen verschiedene Bereiche in thematischer Ordnung erscheinen. Mit zehn Themenfeldern erfasst man nicht alles, was der Fall ist. Aber sie markieren Orte der Auseinandersetzung, an denen wir uns versammeln und miteinander streiten.

Themenfelder sind allgemein. Sie sind noch kein Grund für Spaltung und Hass. In dieser Qualität können sie der gemeinsame Ausgangspunkt für gesellschaftlichen Diskurs sein. Ein solcher Diskurs beginnt dort, wo man sich fragt, in welche Bereiche und Schwerpunkte sich ein Themenfeld gliedern lässt. Die Gliederung eines Themenfeldes aber bedeutet, einen geistigen Raum zu schaffen, in dem wir dem Konkreten mit Sinn für Unterscheidungen begegnen.

Eine Themenwelt kann zwischen Welt und Ausstellungswelt vermitteln. In dieser Funktion umfasst sie die Gegenstände einer Ausstellung. Eine Themenwelt kann indes Gegenstand auch dann sein, wenn wir uns mit ihr beschäftigen, ohne schon in einer Ausstellung selbst zu sein.

Zeit für Bilder

Leben im digitalen Zeitalter
Ein Mensch auf dem Fahrersitz eines Autos – nicht fahrend, irgendwo in Berlin, Deutschland (2017)

Planet und Natur
Parinacota in Bolivien – schwer atmend: nicht der Berg (2014)

Heimat und Globalisierung
Tempel in Hangzhou, China – und Werbefläche: nicht zum Tempel gehörig (2014)

Gesundheit und Glück
Garten auf Sardinien, Italien – und Ruhe, Bewegung, Wahrnehmung (2018)

Religion und Wissenschaft
Zwei Gebäude in Montreal, Kanada – friedlich zusammenstehend (2016)

Zeit und Leben
Musiker in Berlin, Deutschland – am Landwehrkanal: für sich im Bei-sich-sein (2019)

Einsamsein und Alleinsein
Menschen auf Gartenbank auf Sardinien, Italien – ohne Blickkontakt (2018) 

Gesellschaft und Politik
Kuppel des Reichstages in Berlin, Deutschland – nicht freischwebend (2018)

Bildung und Beruf
Eichhörnchen im Nationalpark Grand Teton, USA – sitzend, ohne Stuhl (2015)

Identität und Verantwortung
NK Doege in ihrem Atelier in Leipzig, Deutschland – stehend, vor Bild auf Staffelei (2018)

Gedankenexperiment

Als Menschen sind wir frei dafür, in unterschiedlichen Zusammenhängen unterschiedliche Rollen zu spielen. Die denkwerkstatt grenzenlos möchte motivieren, in die Rolle von Personen zu schlüpfen, die verantwortlich für die Gestaltung einer Welt-Ausstellung sind. Von einer Welt-Ausstellung sprechen wir, weil dieser Ausstellung eine Themenwelt zugrunde liegt. Soviel Freiheit nehmen wir uns.

Verantwortung für die Gestaltung einer Welt-Ausstellung zu übernehmen hat zunächst die Form eines Gedankenexperiments. Darin experimentieren wir mit der Vorstellung, verantwortlich für die Gestaltung von Themenfeldern und deren Präsentation im öffentlichen Raum zu sein. Ein solches Gedankenexperiment schließt die Bereitschaft ein, die Standpunkte anderer zu verstehen und die eigenen aufzugeben. In solcher Auseinandersetzung machen die großen Formationen des Lebens in ungeahnter Weise auf sich aufmerksam: die Wissenschaften genauso wie Kultur, Kunst, politische Institutionen und Gesellschaft überhaupt.

Die vier von der denkwerkstatt grenzenlos angebotenen Veranstaltungstypen lassen das Gedankenexperiment umsetzen. Die Idee einer Welt-Ausstellung ist hier der gedachte Kontext, unter deren Bedingungen das Experiment stattfindet. Sollte es niemals eine Welt-Ausstellung geben, schmälert das die Bedeutung unserer Veranstaltungen nicht. Denn worauf es ankommt, sind Prozesse, in denen wir uns gemeinsam mit den Themen, Herausforderungen und Problemen unserer Zeit auseinandersetzen. Die Welt-Ausstellung als Idee ist ein Werkzeug oder auch eine Methode, die sich in Form eines solchen Gedankenexperiments umsetzt. 

Weltausstellungen

Eine Welt-Ausstellung ist keine Weltausstellung. Klassische Weltausstellungen gibt es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich waren sie Leistungsschauen, auf denen sich Nationen mit ihren wirtschaftlichen und technologischen Errungenschaften vorgestellt haben. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind Weltausstellungen zwar zunehmend mit den Herausforderungen unserer Zeit befasst. Aber die Welt von Weltausstellungen ist immer noch eine Welt von Nationen und Kulturen, die sich in der Ausstellungswelt in Form von Pavillons präsentieren.

Diesen Zusammenhang von Welt, Nation und Kultur lassen wir mit der Idee einer Welt-Ausstellung hinter uns. Die Ausstellungswelt einer Welt-Ausstellung gliedert sich nicht in nationale und kulturelle Räume, sondern in Themenfelder, die Wissensvermittlung nicht weniger als gesellschaftlichen Diskurs möglich machen. Die Themenwelt der Ausstellungswelt einer Welt-Ausstellung ist unsere Zeit im Spiegel von Wissenschaft und Diskurs.

Welt-Ausstellung

Die Welt-Ausstellung der Zukunft ist ein Festival der Ideen und Möglichkeiten, aber auch eine Bühne für das, was man nicht bestreiten kann oder widerlegen muss, wenn man anderer Meinung ist. Hier geht es um Wissensräume und gesellschaftliche Selbstverständigung – um Anerkennung von Fakten, aber auch um Wissen darum, dass wir uns zu Wissenschaften immer auch verhalten müssen.

Wissensräume sind keine Räume, in denen Menschen vor heiligen Säulen des Wissens demütig niederknien – eine Welt-Ausstellung präsentiert den Stand eines Wissens, den wir im Diskurs über die Herausforderungen unserer Zeit nicht ignorieren dürfen. Neben Wissensvermittlung zielt die Welt-Ausstellung darauf, ein Wissen über Wissenschaft und Wissen selbst zu vermitteln. Was ist Wissenschaft? Und wann sprechen wir sinnvollerweise davon, dass wir etwas wissen? Wissenschaftskompetenz und ein Verständnis dessen, was Wissen schon im Alltag ist, sind heute wichtiger denn je. Verschwörungstheorien sind eine ernsthafte Gefahr für demokratisch verfasste Gesellschaften, lassen sich aber zurückweisen, wenn wir uns darüber einig sind, unter welchen Bedingungen wir etwas für wahr und falsch halten.

Die Welt-Ausstellung ist eine Roadshow. Wo die Veranstaltungen einmal stattfinden könnten? Vieles ist möglich – in einer Gutsscheune, im verlassenen Industriegebäude, im Landgasthof, auf einem Marktplatz, in der Schulaula, im Gemeindehaus, in der Werkhalle eines ortsansässigen Unternehmens, auf dem Deck eines großen Schiffes oder auch in den Räumen einer Gedenkstätte.

Prozess

Die Welt-Ausstellung als Prozess ist die Geschichte ihrer eigenen Entstehung. Diesen Prozess zu gestalten bedeutet, Themenfelder auszuwählen, zu strukturieren und zum Gegenstand öffentlicher Kommunikation zu machen. Ist die denkwerkstatt grenzenlos zum jetzigen Zeitpunkt darauf ausgerichtet, Partizipation möglich zu machen, so heißt das, einen originellen Rahmen für die ebenso kritische wie konstruktive Auseinandersetzung mit den Themen, Herausforderungen und Problemen unserer Zeit zu schaffen.

Wir haben nicht nur Ideen, sondern auch den Mut, sie umzusetzen.